Januar 2017

Überleben nach iranischer Art

Symposium – Gespräche – Performance
Ein Projekt von suite42 in Zusammenarbeit mit Maryam Palizban

Samstag, 14. Januar 2017, 12:00–22:00 h
Radialsystem V, Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin

Plakatmotiv: Farhad Fozouni

In Anlehnung an die Yalda-Nacht lenken wir mit Wissenschaftlern und Künstlern den Fokus auf Kultur, Kunst, Literatur und auf das Theater aus dem Iran und ausgehend von dort im Rest der Welt und in Berlin.

Das Thema des Fokus Iran ist angelehnt an die Yalda-Nacht (Schab-e Tschelleh). Es ist die Nacht des Jahres, in der sich die längste Dunkelheit, Tod und Vernichtung, wieder dem hellen Sonnenlicht, der Hoffnung, zuwendet. Es ist auf dem ersten Blick die Geschichte eines Sieges durch die Natur, die Wintersonnenwende, die von unterschiedlichen Religionen und Nationen gefeiert wird. Aber in einer anderen Perspektive ist die Yalda-Nacht die Geschichte eines Überlebens, die den naturverbundenen Beweis abgibt, dass auch die dunkelsten Nächte enden. Im Fest der Yalda-Nacht, das jedes Jahr an der Wintersonnenwende gefeiert wird, bilden sich Formen des Überlebens und Überlebenspraktiken ab, die das künstlerische Konzept dieser Veranstaltung parallel zum wissenschaftlichen Teil untersucht.


Symposium
Konzeption und Leitung: Maryam Palizban

Die Existenz der Menschheit ist durch permanente Gefahr immer wieder bedroht. Die Vernichtung als natürliches oder unnatürliches Ende wurde immer wieder durch den Willen zum Leben abgewehrt. Dieses Verlangen nach Leben entwickelte im Lauf der Geschichte Praktiken, die auf der kulturellen Ebene als Überlebenstechniken gesehen werden können. Das Überleben des Menschen als Individuum oder Kollektiv schlug sich in Wissenschaft, Literatur und Kunst nieder. Gleichzeitig waren Wissenschaft, Literatur und Kunst selbst Mittel gegen Vernichtung und für das Überleben. In der persischen Zivilisation, die sich zum Teil geographisch auf den jetzigen Iran erstreckt, wurde durch Krieg und politische Intrigen im Lauf ihrer Geschichte auf extremste Weisen Arten kulturellen Lebens bedroht und vielfach auch vernichtet. Wie auch in anderen Zivilisationen war diese Geschichte der Vernichtung von Kulturen verbunden mit der Vernichtung von Religionen, Sprachen, Kunstwerken bis hin zu Denk- und Lebensweisen der Individuen.

In einem Symposium werden sich Wissenschaftler aus den Bereichen Kunst, Kultur und Literatur mit unterschiedlichem Formen des Überlebens, mit Überlebenspraktiken und -techniken im Kulturraum des jetzigem Iran auseinandersetzen und die Vielfalt der Überlebensformen als Prozess und Ereignis diskutieren.


Panel 1: »Kultur–Geschichte–Überleben«
Dr. Martin Treml (Religionswissenschaftler/Judaist)
»Elemente des Nachlebens und Überlebens«
Dr. Maryam Palizban (Künstlerin/Theaterwissenschaftlerin)
»Alle Überlebenden sind tot: Bühne der Paradoxie«


Panel 2: »Leben über Kunst«
Mit: Dr. des. Jana August (Kunst-/Bildhistorikerin), Parastou Forouhar (Künstlerin), Susan Wintsch (Kuratorin/Autorin/Dozentin), Christoph Sehl (Kurator/Künstler/Autor)


Panel 3: »Übersetzen–Überleben«
Mit: Dr. Zaal Andronikashvili (Literaturwissenschaftler), Mahmoud Hosseini Zad (Übersetzer/Schriftsteller), Dr. Arash Sarkohi (Übersetzer/Autor/Philosoph)


Gespräche und Performance
Künstlerische Leitung: Lydia Ziemke

Über: Theater und Leben in Teheran – Filmvorführung und Gespräche
Naghmeh Samini und Azade Shahmiri, Theatermacherinnen zweier Generationen, geben Einblick in ihre Arbeit innerhalb der Theaterszene Irans und in das Überleben als Theaterkünstlerin unter der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung.


Fieberfluten – Performance
In Alltagspoesie und voller Ruhmesbanalitäten verflechten sich Marylin Monroe, Mata Hari, Sylvia Plath, Sheherazade, Lilith, einige Evas und viele andere in Zeit und Raum – verkörpert von:
Zwei Frauengestalten. Vielleicht zwei Göttinnen, vielleicht zwei Nichtgeborene, vielleicht zwei schon längst gestorbene. Eins aber ist sicher, es sind immer zwei Frauen. Sie stehen jeden Tag auf und suchen sich einen neuen Namen. Es geht keinen einzigen Tag am Tod vorbei doch morgen geht das Leben weiter. Ein ganzes Leben heißt für sie nur ein Tag und bitte frag uns nicht, wie alt sie sind. Sie sind alt genug, alles überlebt zu haben, nur heute scheint das nicht einfach zu sein.
Text: Matin Soofipour Omam / Regie: Lydia Ziemke / Bühne/Kostüme: Claire Schirck / Musik: Owen Lasch / Dramaturgie: Elke Ranzinger / Mit: Patrizia Carlucci und Anke Retzlaff


Programm

Sa, 14.01. 12:00–17:30 h Symposium
18:00 h Filmvorführung + Gespräche
20:00 h Performance

Radialsystem V, Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin, www.radialsystem.de, Tickets: 030 - 288 788 588, www.reservix.de


Gefördert aus Mitteln der Basisförderung durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.


suite42 – UK / France / Germany
 
Fokus Syrien, 9–12. Mai 2014 / Foto: Kostis Kallivretakis