Salon ÜberMorgenLand –

بلد بعد بكر

Kunst und Politik aus dem Abgrund der Postmoderne

Künstlerisch-politischer Salon

Wir beginnen einen regelmäßigen künstlerisch-politischen Salon.
Wir betrachten die Belange genauer, die uns aus Medien und täglicher Erfahrung entgegenbrüllen: es ist Analyse und ein Angriff auf gesellschaftliche Unmöglichkeiten.
Wir schaffen einen Raum, diese Dinge drastischer zu formulieren, zu untersuchen wie sie uns angehen und daraus praktisches Handeln abzuleiten. Hintergründe werden in Podiumsdiskussionen beleuchtet, künstlerische Formate finden eine Bühne für die persönlichen Herangehensweisen und für die provokante Verhandlung der drastischen Fragen. Musik entspannt und befeuert die innere Auseinandersetzung. Gemeinsames Essen fördert den Austausch. Menschen, die sich sonst nicht begegnen, kommen – treu der Idee des Salons – ins nicht geplante, aber anregende Zwiegespräch. Und am Ende darf niemand den schönen Saal des Radialsystems verlassen, bevor nicht eine praktische Maßnahme beschlossen wurde. Ein intellektuell-sinnlich-praktischer Abend für alle.

Am Anfang steht eine Reihe von Auseinandersetzungen über das Innenleben und das Verhältnis von „westlichen“ und „arabisch-muslimischen“ Gesellschaften. ÜberMorgenLand widmet sich dabei der brennendsten Fragestellung unserer Zeit: Wie kann die Welt gedacht werden, wie muss unsere Gesellschaft beschaffen sein, damit alle miteinander auskommen – unabhängig davon, wo sie geboren wurden, oder ob sie sich einer Religion zugehörig fühlen.

Eine Initiative von suite42 in der Produktionsphase ÜberLebensElixier in Kooperation mit dem Radialsystem V.
Gefördert durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Die Fragen sind klar. Sie kommen aus dem Abgrund der Postmoderne. Deshalb sind sie logischerweise nicht neu, sondern wieder und drastisch formuliert. Aus dem Abgrund der Postmoderne als Krisengebiet des wiederentdeckten Abendlandes und als Forschungsgebiet für heutige Handlungsalternativen.

Und die größte Frage, nämlich ‚Was – verdammt noch mal – sollen wir tun?’ ist zwar wichtig, muß aber zuletzt kommen.

Verdammt kommt mir dabei schnell über die Lippen. Biblische Begriffe sind gefühlt das Einzige, was mein Gefühl ausdrücken kann. Mein Gefühl ist: nach diesem Jahr 2014 sind wir verdammt. Wir sitzen in der Hölle. Es gibt kein Zurück mehr, auch keinerlei Absolution. Das was wir dieses Jahr gesehen, gehört und immer wieder gesehen haben, ist die Hölle. Die Hölle hat nichts Schlimmeres zu bieten, glaube ich. Ich glaube nicht daran, aber meine Fantasie ist gespeist von Werken der Weltliteratur, darunter die Bibel. Ich entschuldige mich schon jetzt, wenn es etwas missionarisch wird.

Aber, um Sartres Begriff ins politische Miteinander zu übertragen, nicht nur die anderen sind die Hölle, nicht nur das, was wir gesehen haben. Sondern auch wir. Still dabei sitzend und zusehend, unser Gelähmtsein ist unsere Hölle hier. Wir haben die Welt mitgebaut in der das alles passiert. Wie wir die sixtinische Kapelle (und alles was sie repräsentiert) gebaut haben, an deren Wand Michelangelo das Jüngste Gericht malen konnte. Die körperlichen Qualen in diesem Fresco sind heute live und auf youtube zu sehen. Kriegsverbrechen mit live-Übertragung. Noch im April 2012 sagte der syrische Autor Mohammad Al Attar, wenn erstmal die schrecklichen Greuel in Syrien in ihrer Quantität durch Bilder in die Welt gelangten, würde die Welt handeln.

Aber nein. Ja, wir haben die Bilder gesehen. Von Massenfolterungen in Assads Gefängnis, von willkürlichem Bombardement, vom Todesfluß in Aleppo, vom gegessenen Herz. Wir haben das Gas praktisch gerochen. Der Tod erreicht uns jeden Tag auf allen Kanälen, er hat jeden Mythos verloren. Es gibt offensichtlich Menschen, die den Tod dem Leben vorziehen, wenn es nicht nach ihren Regeln läuft. Den Tod, der entscheidet, wer diese ‚Glaubensfragen’ gewinnt. Das abstrakteste, unvorstellbarste, letzte, das Ende des eigenen Lebens ist zur ständigen Möglichkeit geworden, auch hier. Das lähmt die hochgeschätzte Vernunft und verstellt den Blick. So sind wir Mit-Architekten dieser Hölle und sehen es nicht. Deshalb sind wir hier.

Gelähmtsein stimmt nicht völlig. Viel haben wir bewegt in der Kultur, im öffentlichen Leben in diesem denkwürdigen Jahr 2014, und zwar durch – dieser sehr deutsche, sehr dehnbare Begriff – öffentliche Vergangenheitsbewältigung. Allerdings ‚öffentlich’ – ja, ausgestellt in Museen und geschmückt mit Kränzen. Aber nicht vollzogen, nicht bewältigt. Aber die Vergangenheit anzuschauen ist schon mal gut. Deshalb sind wir auch hier.

Eine Frage drängt sich jetzt auf. Hier im Raum und auch draußen, jeden Tag. Wer – verdammt noch mal – sind ‚Wir’?

Wir hier? Ich, Sie, Du? Jeder Einzelne? Wir in Berlin? Wer in Berlin? In Deutschland? In Europa? Im Raum gibt es ganz verschiedene Wirs. Ich versuche zu differenzieren.

Aber grundsätzlich bitte ich darum, dass, wenn ich ab jetzt -Wir- sage, alle denken, jeder Einzelne ist wichtiger Teil dessen.

Also. ‚Wir’ sind frei. Geistig – alle, hier, materialistisch – unterschiedlich, würde ich sagen.

Das mehrheitliche – ‚Wir’ hat die Wahl, eine Stimme, eine Art Wertesystem. Seit 1989 wird Freiheit hier ganz groß geschrieben…aber leider ist die Verantwortung, von der unter anderen George Bernard Shaw sagte, dass sie mit der Freiheit käme und den Leuten Angst mache, etwas kurz gekommen. Von keiner Seite gewollt. Und so konnte sich die Auffassung, es gibt ‚Wir’ und ‚Die anderen’ bei ‚uns’ durchsetzen. Das sagt uns gerade montags (heute abend…wieviele?) sehr laut ‚das Volk’. Es sagt, das ‚das Volk’ sich kein größeres ‚Wir’ vorstellen kann. Angst als Motor, aber weniger vor der eigenen Verantwortung als vor dem, was die Absenz der Verantwortung zur Folge hat, noch zur Folge haben kann. Dieses ‚Wir’ ist gefährlich, weil es sich nicht aus klaren Einzelstimmen zusammensetzt. Weil diese ‚Wir’ nicht komplexer ist als ein lebloses Akronym in dem es die langen Worte versteckt, die dem ‚Ich’ gar nicht so wichtig sind (Patrioten, Europa, Islamisierung, Abendland etc). Deshalb sind wir hier.

Ich schlage vor, das ‚Wir’ eine Weile zu vergessen. Ich schlage vor, wirklich zum ‚Ich’ zu wechseln.

So wie es vor 25 Jahren nach dem Mauerfall ja auch kollektiv entschieden wurde. Die alteingesessenen (westlichen) und neueroberten ‚Ichs’ (östlichen) waren sich 1990 irgendwie einig und votierten sehr schnell gegen das vielleicht utopische ‚Wir’ und für ein ‚Wir’ mit Währungsreform. Die einzige Chance ist, aus dieser Fehlentscheidung, ganz passend, endlich Profit zu schlagen. Das Potential des Einzelnen ins Visier zu nehmen, die politische Handlungskraft des Einzelnen wieder spürbar zu machen. Die vermeintliche Freiheit zu entlarven und in eine echte zu verwandeln. Ich habe gewarnt – es ist missionarisch, aber: deshalb sind wir hier.

Das grammatische Element ‚Wir’ ist eigentlich fehl am Platz – ’Wir’ suggeriert nämlich das Voranbewegen einer Gemeinschaft nach gemeinschaftlich gewählten ungefähren politischen Prinzipen, die die Opposition noch einige Zentimeter nach rechts oder links reißen kann. Das ist heute eine Illusion.

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Wie wir alle wissen ist es eher so dass im Zentrum des Zirkuszelts Wirtschaft und Finanzkapital die Peitsche schwingen, der rotschwarz gestreifte Leithengst GROKO im Kreis galoppiert und die Opposition immer mal aufspringt, abgeworfen wird, einen Knüppel zwischen die Beine wirft und einen Nachtritt bekommt. Und der Zirkusdirektor kommentiert vom Rand, (vom Schloß Bellevue) wo ihm der aufgewirbelte Dreck um die Ohren fliegt.

Daher zurück zum ‚Ich’ statt dem (utopischen) ‚Wir’ von damals nachzujammern. Den Werteverlust in den letzten 25 Jahren als solchen sehen und die schon gegebenen Gegebenheiten der Postdemokratie auf ihr Potential prüfen. Und verstehen, dass man das eigene Leben praktisch ändern werden muß. Denn sonst kann Handlungskraft ‚Dienst an der Waffe eines realen Kriegspiels’ bedeuten, der mehr Halt verspricht als unser gegenwärtiger Identitätensumpf.

Der Teufel des Neoliberalismus wurde hier entfesselt und auch auf eine Art in Syrien in den zehn Jahren bevor ein Großteil der Bevölkerung sich dagegen aufgelehnt hat, von diesem Prozess vollkommen abgehängt zu werden. Die verschiedenen Auswirkungen müssen hier und dort differenziert verstanden werden. Dazu beim nächsten Mal mehr.

Eine potentiell befreiende Frage: Was geht uns das an?

Als ich klein war – ich kann nicht sagen, wie es kam, dass der Rest der Familie am Wochenende ausschlief und trotzdem früh ein Fernseher lief – jedenfalls war ich eines Tages schon lange wach und sah Kriegsflugzeuge und dann die Nachricht, dass der Golfkrieg vorbei sei. Ich fing an, im Haus herumzutanzen und alle zu wecken um die frohe Nachricht zu verkünden. Aber alle waren ungefähr dieser Meinung: Was geht uns das an?

Ich hatte irgendwie das Gefühl, es geht uns eine Menge an, und vielleicht mache ich diese Veranstaltung nur mit, weil ich meine Familie immer noch überzeugen will, dass es uns alle angeht.

Warum hatte es jenen Krieg gegeben – ich wusste, wegen Öl. Und wer braucht das alles eigentlich? Damals und heute? ‚Wir’?

Die Zufriedenheit des ‚Ich’, des Einzelnen muß heute einfach im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Prozessen gesehen werden. Und zwar auch, damit die Zufriedenheit ganzheitlich sein kann und, ja, verantwortlich. Der Entscheidungsspielraum des Einzelnen beim Erwerb eines Produktes, bei der Einrichtung seiner Identität, seiner täglichen Realität, wird bekanntlich bestimmt durch Werbung die mit emotionalen Aufrufen ein Rauschen erzeugt, in dem die Vernunft baden geht. Aber diese gelenkten Entscheidungen müssen im Bewusstsein getroffen werden, dass sie Auswirkungen haben auf das Wohl anderer Gesellschaften, deren Wohl oder Unwohl sich auch auf uns auswirkt.

Noch einmal beispielhaft ein Golfkrieg: die Invasion im Irak 2003. David Kelly war dafür verantwortlich, die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein ZU FINDEN. Er FAND sie, Tony Blair triumphierte – und David Kelly ging in einen englischen Wald. Dieser Selbstmord war die menschlichste Reaktion auf das, was damals geschehen ist und gab den geeigneten Rahmen für das, was in Gang kam. Auch David Kelly saß in seiner Hölle. Auf Tony Blairs Gesicht gefror für immer ein Lächeln und der wurde nach Verlassen der Downing Street zum Middle East Envoy erklärt. Aber das ergibt Sinn, denn seine Regierung wollte auch Bashar Al Assad zum Ritter schlagen. Man vergisst es hier leicht, aber die englische Politik, die englische Monarchie, glaubt immer noch, dass sich andere über all ihre globalen Bemühungen freuen. In dieser betreffenden Region sind sie ja zu Kolonialzeiten rechtzeitig ausgerückt, dass sie die Folgen nicht mehr mitansehen mussten.

Es gibt eine gerade Linie von dieser Invasion 2003 zur Entstehung von ISIS/Daesh im Irak. Und diese Linie beginnt natürlich schon früher, in den Achtzigern, als die Rote Armee in Afghanistan war. Heute verhindert Russland, dass Europa und die USA in Syrien eingreifen. Ein angebliches ‚sich Berufen’ auf das Völkerrecht, also auf eine eigentlich-progressive Errungenschaft des internationalen Rechts, befähigen zwei Staaten (Russland und China) dazu, den Krieg in Syrien sich unaufhaltsam entwickeln zu lassen. Ich möchte wirklich mal beim UN Sicherheitsrat Maus spielen – das muß immer so anstrengend sein! Das die progressiven Errungenschaften der internationalen Gemeinschaftsgremien ihr Ziel, nämlich den Schutz von Menschenleben und die Verteidigung der Menschenrechte so klar verfehlen, entzieht ‚uns’ jede gebliebene Sicherheit, jedes gebliebene Vertrauen in internationale politische Architektur-verstärkt potentiell die Lähmung des ‚Wir’ und braucht noch mehr das bewegliche ‚Ich’.

An dieser Stelle eine Zwischenfrage:

Worum wird in Syrien und im Irak gekämpft? Einfache Antwort: Es ist nicht die Religion.

Für mich ist eigentlich die Hölle, dass wir alle das alles wissen. Alles was ich hier sage, weiß eigentlich jeder. Nichts davon ist neu, und all diese Informationen sind frei zugänglich.

Trotzdem kann sich Murphys Gesetz frei entwickeln: Alles, was falsch gemacht werden kann, wird falsch gemacht. Immer wieder. Eine rote Linie wird gezogen und dann überschritten und dann ignoriert. Und dann gibt es keinen globalen Generalstreik. Ich zitiere Mohammad Al Attar aus unserer heutigen Lesung – ‚Warum bleibt die Welt nicht stehen, wenn ein Wohnviertel zerstört wird?’ Die persönlichen Auswirkungen einer Frührente mit 55 sind eben greifbarer als die zukunftsträchtige Zerstörung einer höchst-fragilen Weltgegend. In die Kette der exemplarischen Fehler reiht sich gerade das Bombardement der westlichen Koalition in Kobani. Und genauso die Nicht-Intervention bei der Regimegelenkten Zerstörung von Aleppo.

Noch was?

Ein Passagierflugzeug wird abgeschossen und es verursacht keinen dritten Weltkrieg. Das ist gut. Aber wie soll man begreifen, daß es ohne Folgen bleibt?

Ach ja, und: Die Flüchtlinge sind hier. 170.000 übers Meer. Und 3419 sind nicht da. 3419??? Wahrscheinlich ist diese Zahl nicht korrekt. Nicht mal auf deutsche Statistik kann man sich noch verlassen. Die die gerade am Golfplatz auf ihre Chance warten, wissen noch nicht was sie erwartet. Über all das in Zukunft an dieser Stelle mehr.

Unser Leben wird sich ändern müssen, um unseren geschriebenen Prinzipien praktisch treu bleiben zu können. Wie machen wir das? Hier muß die Sammlung der ‚Ichs’ tatsächlich zum ‚Wir’ werden, und zwar leider lieber heute abend als morgen. Denn sonst ‚ist alles zuviel und ich kann ja sowieso nichts ausrichten!’ Aber so kleine Sachen, zusammen, kräftigt alle. Wir – in diesem Fall ich und der andere ‚Ich’ und die andere ‚Ich’ – machen das hier deshalb.

Zum Schluß:

Wir sind nicht frei. Wir können es nur immer werden. Es ist Arbeit. Deshalb sind wir auch hier. Um zusammen zeitweise der Absurdität unser konstruierten Realität ins Gesicht zu blicken! Und wie Bölls Clown trainieren, dabei nicht verrückt zu werden. Sondern erträglich und anstelle der Lähmung Bewegung eintritt. Wir müssen diese Fragen stellen: Was geht uns das alles an? Und schlussendlich: Was – verdammt noch mal – sollen wir tun?

Ich und Wir können das alles hier Gesagte wissen und begreifen, dann bezeugen und weitererzählen. Please share widely. Meinungsbildung. Und dann Schritt für Schritt entscheiden, was Ich, was wir tun können, und das dann tun. Mit der freudigen Einsicht, dass auch beim glücklichen Sisyphos irgendwie immer mal was rumkommt. Auch, um unser Leben zu genießen, trotz allem und damit.

You just have to deal with it. And first – you have to deal with yourself. So zitiert die Theaterautorin Dea Loher den Maler Mark Rothko in LAND OHNE WORTE.

Quasi ‚Put your own mask on before helping others.’ Aber das dann auch tun.

Und ich zitiere noch Jean Ziegler, der Willy Brandt zitiert, in der Hoffnung, dass es nachher so sein wird:

Am Ende muß Hoffnung stehen. Wenn einer/eine den Saal verlässt ohne Hoffnung, hätte er/sie gar nicht erst kommen müssen. Deshalb sind wir hier.

ÜberMorgenLand I:
ISIS Reisen – Abenteuerurlaub all inclusive

Zum Auftakt des künstlerisch-politischen Salons »ÜberMorgenLand« diskutieren Mitglieder von adopt a revolution und Nader Khalil (Deutsch-Arabisches Zentrum Berlin) mit den Gastgebern Lydia Ziemke und Felix Gebauer über Revolution und Krieg in Syrien, die Verantwortung der Zivil-gesellschaft hier und darüber, was junge Leute bewegt, die das Land verlassen, um Kämpfer zu werden. Künstlerische Formate machen den Alltag in Syrien erfahrbar. Ein levantinischer Imbiss lädt zum angeregten Austausch. Musikalisch unterstützt die international-orientalisch besetzte Band Avi’s Jazz Mob.

Es ist eine (Alb)traumdestination: Dennoch brechen fast täglich Menschen aus Deutschland nach Syrien und in den Irak auf, um dort für eine der zahlreichen Konfliktparteien ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Ist es die Suche nach Sinn und Werten oder die Lust auf Abenteuer? Und welche Rolle spielt dabei der gegenwärtige Zustand in Deutschland? Mitarbeiter des Deutsch-Arabischen Zentrums Berlin berichten von ihrer Arbeit mit Betroffenen. Obwohl hunderttausende Zivilisten das Kriegsgebiet verlassen konnten, geht für die Menschen in den umkämpften Gebieten das Leben weiter. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, dass nach wie vor Aktivisten versuchen ein Leben jenseits der Gewalt möglich zu machen. Das passiert nicht nur in den kurdischen Gebieten, sondern auch in den Ruinen der Industriemetropole Aleppo. Die Organisation adopt a revolution, die in engem Kontakt mit der zivilgesellschaftlichen Opposition steht, beleuchtet die Akteure, die Komplexität und Praktiken des syrischen Widerstandes. Kurzfilme und Texte aus Syrien erzählen von erstaunlichem künstlerischen Schaffen inmitten des Krieges; Fatina Laila und Kollegen spielen Fragmente aus Youssef war hier von Mohammad Al Attar: im gegenwärtigen Alltag in Syrien treffen wir Kämpfer, Kinder und alle anderen, die geblieben sind und sehen durch ihre Augen den festen Glauben an eine andere Zukunft. Bei Avi’s Jazz Mob treffen sich Jazz und Glitzer, hohe Kunst und hemmungsloser Hedonismus und verschmelzen zu einem Vergnügen höchst sinnlicher Art. Gegründet von BUKAHARA-Fiedler Daniel Avi Schneider spielen sie virtuosen Gipsy-Swing, Balkan und Folklore.

Gäste: Nader Khalil, (DAZ) Ferdinand Dürr (adopt a revolution) u.a.
Kunst: Kurzfilme, Texte, Performance
Musik: Avi’s Jazz Mob
Moderation und Konzept: Lydia Ziemke & Felix Gebauer
Produktionsleitung: Jamila Al-Yousef

ÜberMorgenLand II:
EntMenschlichung

Im Nahen Osten rast eine Miliz mit Djihad-Propaganda im Gewalt-Porno-Look gegen den Rest der Welt. Die Erschütterungen sind bis Paris zu spüren. Gleichzeitig ist im bürgerlichen Europa eine gesellschaftliche Verrohung zu beobachten. Die Abkehr von den stetig proklamierten Werten der Aufklärung wird als Alternative formuliert.

In der 2. Ausgabe des Salons sprechen die Gastgeber mit dem Politologen Farid Hafez und der Journalistin Charlotte Wiedemann über tatsächliche und mögliche andere Reaktionen der Gesellschaften auf die zunehmende Gewalt. Und was kostet ein Menschenleben heute? Mit Texten aus den Guantanamo Diaries, syrischer Lyrik und Malerei tauchen wir in Lebenswelten ein, die ein Handeln im Angesicht der Entmenschlichung möglich erscheinen lassen.

ÜberMorgenLand – Diskussionen, künstlerische Formate, Musik und Zeit zum Austausch beim Essen: ein intellektuell-sinnlich-praktischer Abend für alle.

Mit atemberaubender Brutalität schlägt uns die Entmenschlichung aus Syrien und Gaza, aus Guantánamo, Paris, Nigeria und Dresden entgegen. In der zweiten Ausgabe dieses künstlerisch-politischen Salons sprechen die Gastgeber Lydia Ziemke und Felix Gebauer mit dem Politologen Farid Hafez und der Journalistin Charlotte Wiedemann über die fortschreitende Entfremdung, durch die der Islam zum »Anderen« gemacht wird, über Reaktionen auf Charlie Hebdo, Pegida und mögliche Zukunftsszenarien. Die gängige Wahrnehmung von »Gut« und »Böse« im »Kampf der Kulturen« wird anhand von Auszügen aus dem neuerschienenen Guantánamo-Tagebuch von Mohamedou Ould Slahi und von Texten des syrischen Dichters Fares al-Bahra in Frage gestellt. Im Spiegel der Kunst machen Wasim Ghroui und Ibrahim Brimo mit ihrer Malerei die seelische Hölle greifbar, die sich nicht erst seit Beginn des »Arabischen Frühling« in ihnen ausbreitet. Instrumental ausgelassen und rhythmisch gefühlvoll unterstützt GÜLINA.

Welche Ängste werden geschürt und wer profitiert von der weltweiten Erregung? Welche ökonomischen Notlagen und global-politischen Vorgänge führen zur „Verrohung der Bürgerlichkeit“ im Westen und dem Aufstieg des politischen Islam? Nach welchen Kriterien bemisst sich heute der Wert eines Menschenlebens?

Kern des Podiumsgesprächs bilden die tatsächlichen und die im Weiteren möglichen gesellschaftlichen Reaktionen auf die verschiedenen Gewaltausbrüche. Es stellt sich die Frage, wie im dominierenden Diskurs vom »Kampf der Kulturen« die Kräfte des Dialogs den Kräften der Konfrontation etwas entgegen setzen können. Der österreichische Politikwissenschaftler Farid Hafez ist ein Kenner der wechselhaften Beziehungen zwischen westlichen und muslimisch geprägten Gesellschaften. Die Journalistin Charlotte Wiedemann richtet ihren zwischen den Welten geschulten Blick auf die Spannung zwischen den proklamierten aufklärerischen Werten der europäischen Gesellschaft und dem tatsächlichen Umgang mit »Fremden«. Auszüge aus dem soeben erschienenen »Guantánamo Tagebuch« von Mohamedou Ould Slahi und Lyrik von Fares al-Bahra wirbeln die bestehenden Kultur-Klischees durcheinander. Die syrischen Maler Wasim Ghrioui und Ibrahim Brimo im europäischen Exil bringen dazu ihre schmerzvollen und ultimativ realistischen Perspektiven in die Diskussion ein. Poesie und Malerei haben in Syrien eine lange Tradition, und sie eignen sich besonders, das rational Unaussprechliche, das Unbeschreibliche auszudrücken.

الدمية وانعدامها كل يوم يفيض العالم بأخبار عن التوحش اللنهائي وتشير أحداث عديدة إلى انعدام الدمية سواء أكان في

سوريا أو غزة أو غوانتانامو أو نيجيريا أو حتى في المدينة اللمانية دريسدن. في الشرق الوسط تزيد جماعة من المسلحين من أجيج مشهد العنف من خلل شن حرب ض 2د بقية العالم تحت عنوان جهاد الكفرة، مر 2وجين لها بأساليب =تذكرنا بأفلم إباحية عنيفة، حتى أن موجة العنف الغير مسبوقة وصلت إلى العاصمة الفرنسية باريس. في الوقت نفسه تشهد القارة العجوز ارتفاع التوحش المجتمعي، وخاصة ضمن الطبقات الوسطى، حيث أصبح كثيرون يعتبرون العراض عن الق 2يم التنويرية الوثيقة بديل حقيقيا. رغم ذلك فل يزال هناك بعض جزر الحوار واللتقاء الثقافي ضمن هذه الحالة من البلدة والكره:

ندعوكم للمشاركة في الدورة الثانية لحلقة النقاش ÜberMorgenLand التي سوف تتحدث في إطارها المضيفة ليدية زيمكي وزميلها فيلكس جيباوار مع المحلل السياسي فريد حافظ والصحفية شارلوته فيديمان عن التن 2كر المستم 2ر الذي أدى إلى وصف السلم بكونه ))الخر((، وردود الفعل على شارلي إبدو وبيغيدا، والسيناريوهات المحتملة في المستقبل. علوة على ذلك ستناقش هذه المسية نقد التفرقة التقليدية بين ))الج 2يد(( و))السيئ(( التي تعود إلى نظرية ))صدام الحضارات(( وسوف نقرأ لهذه الغاية بعض اليوميات التي د 2ونها محمد ولد صلحي في معتقل غوانتانامو وبعض النصوص الدبية السورية، هذا بجانب عرض عدة أعمال فنية للرسام السوري وسيم غراوي وغيره من الفنانين السوريين لتسليط الضوء على اللم الجحيمية التي تحسها أرواح هؤلء الفنانين، وليس فقط منذ بداية ))الربيع العربي((، غير إن هذه العمال قد تفتح أيضا_ الطريق إلى آفاق مستقبلية جديدة تحررنا من قيود عجزنا الشامل. وسوف تقدم فرقة GÜLINA الموسيقية أعمالها من الموسيقى اليقاعية والعاطفية.

تصميم وتقديم: ليدية زيمكي ، فيلكس جيباوار مديرة النتاج: جميلة اليوسف / كاميلة لوسي كورنير مواضيع أخرى يمكن نقاشها إن بقي بعض الوقت:

ما المخاوف التي يتم إشعالها، ومن يستفيد من إثارة القلق في كل أنحاء العالم؟ ما الزمات القتصادية والتطورات السياسية في عصر العولمة التي تؤدي إلى ما يسمى بـ))توحش الطبقات الوسطى(( في الغرب وصعود السلم السياسي؟ ما مقاييس قيمة حياة النسان اليوم؟ سيتمحور النقاش حول مسألة ردود الفعل المجتمعية القائمة والخرى المحتملة على اندلع موجات العنف المختلفة. وسيكون السؤال مطروحا_ عن كيفية تخفيف قوة الحوار من وطأة قوة المواجهة في إطار الجدل السائد حول قضية ))صدام الحضارات((. يعتبر المحلل السياسي النمساوي فريد حافظ أحد أهم الخبراء في مجال العلقات

المتغيرة بين المجتمعات ))الغربية(( والمجتمعات ))السلمية((، أما الصحفية شارلوته فيديمان فتسلط الضوء من خلل معرفتها الواسعة على التناقض بين القيم التنويرية التي يزعم المجتمع الوروبي أن تكون أساسا جوهريا في التعايش والوضع الفعلي لمعاملة غير الوروبيين. كما سيتم ))تفكيك(( الصور النمطية الثقافية السائدة بعدة نصوص، من بينها أشعار الطبيب السوري فارس البحرة أو يوميات محمد ولدصلحيالتي =كتبتفيمعتقلغوانتاناموو=نشرتمؤخرا.وسوفيشاركالرسامينالسوريين المهاجرين وسيم غيروي وإبراهيم بيمو في النقاش بعرض منظورهم الليم والشديد الواقعية. يستند الشعر وف 2ن الرسم إلى تاريخ طويل في سوريا، وكلهما يلئم إلى أبعد ح 2د وصف ما يصعب وصفه أو التعبير بمنطقية.

Salon ÜberMorgenLand V:
Perspektivwechsel Flucht

Der Alltag und das Potential in Berlin

Offene Grenzen – geschlossene Grenzen – kontrollierte Grenzen.
Weiter denken – Neu denken. Jetzt sprechen wirklich alle darüber und das ist gut so, denn die Herausforderung wird größer:
Tagtäglich flüchtet eine Vielzahl von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion nach Deutschland – in der Hoffnung auf Hilfe, Zuflucht und ein sicheres, besseres Leben. Nach diesem Sommer mit extremer Gewalt von rechts sowie starkem zivilen Engagement bei zögerlicher und widersprüchlicher Politik bringt die dritte Ausgabe des künstlerisch-politischen Salons »ÜberMorgenLand« eine Runde, die das Thema Flucht jeden Tag praktisch umsetzt, mit all ihren Perspektiven zusammen: Vertreter der Lokalpolitik, der Wohnheime, Arbeitgeberverbände, der zivil Aktiven und der Zugewanderten verschiedener Generationen werden im Gespräch die Gefahren und Potentiale der gegenwärtigen Situation erörtern.

Ängste, Misstrauen, Wut und Unkenntnis prägen die öffentlich geführte Diskussion. Größte Hilfsbereitschaft bleibt bestehen. Horst Seehofer empfängt Victor Orban und Angela Merkel wird emotional und entschlossen. Am Jahrestag der Deutschen Einheit beleuchten die Gastgeber Lydia Ziemke und Felix Gebauer in der sachlichen aber schonungslosen Debatte den Stand der vereinten Gesellschaft und die essentiellen Fragen: Wie funktioniert Flüchtlingspolitik in Deutschland im Jahr 2015? Welche Strukturen müssen geändert werden, um der neuen Situation gerecht zu werden? Wie können wir als Gesellschaft unsere Menschlichkeit wahren und das Potential der Neuankömmlinge sehen, statt sie als Problem wahrzunehmen?

Gäste: Dagmar Pohle (Bezirksstadträtin Gesundheit & Soziales, Hellersdorf), Adam Bahar (Aktivist Gerhard-Hauptmann-Schule), Martina Wohlrabe (Leiterin einer Flüchtlingsunterkunft), Anton Schünemann (ARRIVO Berlin), Christiane Beckmann (Moabit hilft LAGeSo), u.w.

Künstlerische Formate ergänzen die Diskussion:
Fotoausstellung: DAILY UTOPIA von Muhammad Lamin Jadama
Performance: ICH BIN von neu Zugezogenen in Berlin
Animationsfilme: SynchroniCity entstanden im Workshop mit Jalal Maghout

Danach kann bei Musik und Erfrischungen das Gespräch weitergeführt werden.

Moderation und Konzept: Lydia Ziemke und Felix Gebauer
Mitarbeit: Jamila Al Yousef

Salon ÜberMorgenLand VI:
Werte in der Zufluchtsrepublik Deutschland

im Rahmen von »Zuhören: Continu«, einer Veranstaltung von Sasha Waltz & Guests

Podium

Die geflohenen Menschen sind da. Die extremen Positionen auch. Das Land weiß, was die Aufgabe ist. Zur kritischen Diskussion für die nahe Zukunft wird gebeten:

Das Land der Dichter und Denker spricht wieder von Werten. Der europäische Wirtschaftsriese beziffert im einzelnen Menschen den Wert. Über das Wertvolle in humanistischen und ökonomischen Wertigkeiten diskutieren Felix Gebauer und Lydia Ziemke mit dem Soziologen Kazim Erdogan und Integrationsexperten. Dazu äußern sich im Ferngespräch Kollegen in Beirut, Rabat und Tel Aviv über gemeinsame Werte der internationalen Gemeinschaft, die echte Rolle des Islam dabei, über politische Interessen auf allen Seiten und außenpolitische Doppelmoral.

Kunst

Eine Clown-Performance für die Taliban: Die Wand von und mit Tahera Hashemi (Auszug)

Tahera Hashemi sollte auf der Bühne in Kabul immer weinen, denn das Publikum müsse weinen, wurde ihr gesagt. Sie fand, dass die Menschen im Leben genug weinen und verblüffte ihr Publikum mit diesem Clown-Stück.

Darin zeigt sie eine Frau im heutigen Afghanistan, deren Lebenswelt von den hohen Mauern ihres Hauses eingegrenzt ist. Nach der Tradition darf sie diese ohne ihren Mann nicht verlassen und kann der Außenwelt nur zuhören. Alleingelassen mit all der Hausarbeit wecken die Geräusche Sehnsüchte, Ängste und ihre noch kindliche Fantasie: so träumt sie sich hinaus aus der ummauerten Welt, in der neben der Arbeit nur häusliche Gewalt, das Patriarchat, die Tradition und der nicht enden wollende Krieg von draußen den Alltag bestimmen.

Tahera Hashemi spielte in Kabul Theater seit sie 13 Jahre alt ist und studierte sie dort Regie. Von einer Deutschland-Tournee kehrte sie nicht zurück, weil das Theater bedroht wurde. Seit 2012 ist sie in Berlin. Sie spielte an der Schaubühne in zwei Jugendtheaterprojekten von Uta Plate, bevor sie zu suite42 kam.

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