Deutsche Erstaufführungen aus Syrien, Palästina und Marokko – mitten in Neukölln!
Eine Koproduktion zwischen suite42 und Heimathafen Neukölln.


Fokus Syrien:
»We Come from There«   

Eine Begegnung mit syrischen Künstlern und Bürgern
vom 9.–12. Mai 2014 im Pier 9
im Rahmen von Lila Risiko Schachmatt

Seit drei Jahren tobt der Krieg in Syrien. Millionen Menschen sind auf der Flucht, einige von ihnen sind in Berlin angekommen – in Familien und in Unterkünften, so auch im neuen Asylbewerberheim in Britz Neukölln. Gleichzeitig haben Künstler aus Syrien den Weg in die Hauptstadt und in den Heimathafen gefunden. Wir laden Künstler, Flüchtlinge und Bürger ein zur Sichtung und Diskussion aktueller Texte und Kunstwerke, zur Betrachtung der Situation in Syrien und dazu, einfach mal beim Tee ins Gespräch zu kommen.

Neben der laufenden Inszenierung »Und jetzt bitte in die Kamera«, werden neue Texte vom Mohammad Al Attar und Wasim Ghriouri präsentiert, ein Workshop für Kinder mit einer Ausstellung wird ausgerichtetet von Jalal Maghout und begleitet von drei Animationsfilmen. Wir zeigen einen Film zur Situation der weiblichen Flüchtlinge in Beirut und Aboud Saeed, der Klügste Mensch im Facebook, wird zusammen mit Sandra Hetzl alte und neue Texte lesen. Außerdem diskutieren wir mit Beteiligten über Revolution, Krieg und Flucht. Inspirierende Neuinterpretationen eines weiten arabischen Musikrepertoires kommen von Dury de Bagh mit Band.

Alle Veranstaltungen deutsch und arabisch.


Das Programm

Fr, 9.5. 20:00 h Not Who We Are
Film von Carol Mansour, mit anschließendem Gespräch
mehr / more

Der neueste Dokumentarfilm von Carol Mansour gibt Einblick in das schwere Leben der weiblichen Flüchtlinge aus Syrien, die in den letzten 2 bis 3 Jahren in den Libanon geflohen sind. Fünf mutige Frauen (Afra’a, Umm Omar, Umm Raed, Samar, Siham) führen uns durch den Alltag ihrer Flüchtlingserfahrung. Vertreibung, Verlust, aber auch ihre Stärke und ihr Erfindungsreichtum mit Hinblick auf die mannigfaltigen Schwierigkeiten in diesem feindlichen Umfeld, besonders für Frauen und Mädchen, werden aus ihren Perspektiven betrachtet und besprochen.

Arabisch mit Englischen Untertiteln, Mit anschließendem Gespräch

This latest documentary by Carol Mansour, focuses on the plight of refugee women from Syria who have fled Syria to Lebanon over the past two and a half years. Through the stories of 5 admirable and courageous women (Afra'a, Umm Omar, Umm Raed, Samar, and Siham) we are led through the "refugee experience" as it affects women. They open up and share with us their experiences of displacement and loss,and in the process their strengths and resilience in the face of daily daily struggles to survive in an often harsh and unfriendly environment are revealed.

Arabic with English Subtitles, with discussion

Sa, 10.5. 15:00 h Eröffnung der Ausstellung »Zukunftskinder«
mehr / more

Zukunftskinder
Ausstellung mit Zeichnungen von Kindern aus syrischen Flüchtlingsfamilien, nach dem Workshop von Jalal Maghout und Khansaa Humaidan, mit Tee, Kaffee, Kuchen und Kinderspielen

Jalal Maghout fragt die Kinder: was willst Du machen, wenn Du nach Syrien zurückkommst? Wie siehst Du die Zukunft in Syrien? Und gibt ihnen Zeichenmaterialien… Zusammen erfinden die Kinder eine Geschichte, die Jalal in einem animierten Kurzfilm verbinden wird.
Außerdem werden die Zeichnungen ab dem 10.5. auch ausgestellt.

Futurous Children
Jalal Maghout asks the children: Whats the first thing you would like to do when you come back to Syria? How do you see Syria in the future? And gives them drawing materials… Together they will invent a story which will be worked into an animated short film by Jalal.
The drawings will be exhibited beginning the 10.5.!

16:30 h Kurzfilme von Jalal Maghout
und Gespräch mit dem Künstler und Workshopteilnehmern
mehr / more

1. Der Film der »Zukunftskinder«

2. Leinwand auf Mischtechnik
Krähen sind menschlicher als wir denken. Es gibt viele gute Gründe, diese Kreatur nicht als schlechtes Omen zu sehen. Sogar mit dem alten Aberglaube erbitten wir heute, inmitten der völligen Zerstörung, von dieser unheimlichen Kreatur Hoffnung und Erlösung. Erbitten, dass die Krähe keine kleinen, blinkenden Metallsachen mehr sammeln kann. Erbitten, dass die blinkenden Metallsachen ihren Weg automatisch an einen verlassenen Ort finden, anstatt ihr Ziel zu erreichen. An einen verlassenen Ort fliegen, damit das Leben weitergehen kann.

und weitere.

1. Film »Futurous Children«

2. Canvas on Mixed Media
Crows are more humane than we think. There are many logical reasons to explain why this creature is not a bad omen. Today, even if we believe in the traditional superstition, in the midst of the surrounding destruction, we still beg for hope and salvation from this ominous creature. Here, the crow no longer collects shiny things. Shiny things automatically make their way to a deserted place instead of hitting their targets. They travel to a dark spot far away so that life can continue.

and more.

17:30 h Adapter
szenische Lesung von Wasim Ghriouri, mit anschließendem Gespräch
mehr / more

Der syrische Künstler Wasim Ghriouri hat viel zu erzählen, fürchtet sich aber vor der Bühne. Da wir seine Erfahrungen aus der Armee, den Gefängnissen und anderswo aber unbedingt hören wollen, muß ein Schauspieler her, seinen Monolog zu sprechen. Dieser halb autobiografische halb dokumentarische Text führt tief hinein in die hochkomplexe Syrische Realität aus Unterdrückung, Krieg, Vertreibung und Revolution der letzten Jahre bis heute: wie sie in der Persönlichkeitsentwicklung wirkt, sowie in Familien und allen möglichen menschlichen Beziehungen.

arabisch und deutsch

“Adapter” is multilingual, partly autobiographical partly documentary theatre piece. The Syrian artist Wasim Ghriouri has a lot to say but also stage phobia. Because we absolutely want to hear his experiences in the army, in prison and other places, an actor is needed to present his monologue. In addition to their immediate interaction on stage the piece offers a rich and layered insight into the complexity of the Syrian experience of the last years and how human relationships of all forms are affected by the pressures of war, revolution, and displacement.

Arabic and German

19:00 h Lesung von alten und neuen Texten von Aboud Saeed
mit seiner Übersetzerin Sandra Hetzl
mehr / more

Der syrische Schmied aus Manbij, der durch seine poetisch-anarchistischen Facebookposts bekannt geworden ist, lebt seit einigen Monaten mitten unter uns in Berlin. Nach seinem ersten, bei mikrotext erschienenen, Buch »Der klügste Mensch im Facebook«, eine Art absurdes Facebook-Tagebuch vom Leben mit »Freiheit und Luftangriffen« zwischen der Schmiedewerkstatt, seiner Beduinenmutter, den Absurditäten des Alltags und vielen virtuellen Flirts, arbeitet er nun an seinem zweiten Buch. Hier überlagern sich die Zeiten und Orte, Syrien wird ganz plötzlich gegenwärtig an den Ufern der Spree oder auf einem Berliner Balkon, auf den man verbannt wurde, um eine Zigarette zu rauchen.

arabisch und deutsch

The Syrian Welder from Manbij, who has gained fame through his poetic-anarchistic facebook posts, lives among us in Berlin now. After his first book “The smartest guy on facebook”, published by microtext, an absurd diary dealing with life between the welding workshop, his Beduin mother, the everyday absurdities and numerous virtual flirts, he is now working on his second book. In it times and places melt into each other – Syria is suddenly transposed to the bank of the Spree or to a Berlin balcony, to which one has been abandoned in order to smoke a cigarette.

Arabic and German

20:00 h Konzert: Dury de Bagh und Band
www.soundcloud.com/dury-de-bagh
So, 11.5. 15:00 h Ausstellung »Zukunftskinder«
16:00 h Neue Prosatexte von Mohammad Al Attar
mehr / more

Zur aktuellen Situation in den befreiten Gebieten und zur absurden Situation vor den angekündigten Wahlen in Syrien.

arabisch und deutsch

New Texts by Mohammad Al Attar
About the current situation in the liberated areas of Syria and the absurd state of affairs regarding the upcoming election.

Arabic and German

17:00 h Gespräch mit den Künstlern, Experten und Geflüchteten
mehr / more

über die momentanen Erfahrungen von Syrern in Syrien und im Exil, über mögliche Unterstützung und mögliche Zukunftsperspektiven

arabisch und deutsch

Conversation with the artists, with experts and refugees
about the current experience of Syrians in Syria and in exile, about possible support and about possible future perspectives

Arabic and German

20:00 h »Und jetzt bitte in die Kamera« von Mohammad Al Attar
mehr / more

Damaskus 2012. Noura entscheidet sich, die Erfahrungen von Gefängnisinsassen des Assad-Regimes mit der Kamera zu dokumentieren. Es soll ihr Beitrag zur Revolution werden. Doch was bedeutet ‚dokumentieren’ in dieser Situation? Die Interviews und persönlichen Erzählungen fordern mehr von ihr als erwartet, und durch die Kamera verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Fiktion. Noura ist hin und her gerissen zwischen Idealismus, Neugier, Voyeurismus, Empathie und wachsender Angst. Durch die Auseinandersetzung mit den Häftlingen einerseits und ihrer gutbürgerlichen, regimetreuen Familie andererseits wächst in ihr eine Vorahnung der brutalen Konflikte, die noch kommen werden. Wie weit wird sie selbst gehen?

deutsch mit arabischen Übertiteln, mit anschließendem Gespräch

»Der Regie und den vorzüglichen Schauspieler_innen gelingt es, die verworrene Situation, in der sich Syrien zurzeit befindet, hervorragend auf die Bühne zu bringen.« (Peter Nowak, Freitag)

»›Und jetzt bitte direkt in die Kamera‹ lässt die Zuschauer an den Erlebnissen syrischer Kriegsflüchtlinge teilhaben. Die drastische Inszenierung im Neuköllner Heimathafen hinterlässt einen beklemmenden aber nachhaltigen Eindruck. […] Durch die 360-Grad-Nutzung des Zuschauerraums als Bühne gibt es kein Entrinnen mehr aus den Erinnerungen der Häftlinge. […] Und das ist den Machern, nicht zuletzt wegen der herausragenden Leistung des Schauspielerensembles, gelungen – wer sich nach knapp 100 Minuten von seinem kleinen Sitzhocker erhebt, hat das Gefühl, selber gerade nur knapp der psychischen und physischen Folter eines brutalen Systems entkommen zu sein.« (Laura Ginzel, Zenith)

“Could You Please Look at the Camera”
Damascus 2012. As her contribution to the revolution, Noura decides to document the experiences of ex-prisoners of President Assad with her camera. The meaning of “documenting” is called into question, as reality and fiction melt in this situation. The interviews and the personal accounts test her more than she expected, she is torn between idealism, curiosity, voyeurism, empathy and growing fear. In dealing with the courageous ex-prisoners on the one hand, and her bourgois, regime-obedient family on the other she gets a glimpse of the brutal conflicts that are ensuing.

German with Arabic surtitles

Mo, 12.5. 18:00 h Ausstellung »Zukunftskinder«
20:00 h »Und jetzt bitte in die Kamera« von Mohammad Al Attar
mehr / more

deutsch mit arabischen Übertiteln, mit anschließendem Gespräch

German with Arabic surtitles


»Leinwand auf Mischtechnik« – Kurzfilm von Jalal Maghout
1 / 28
Fotos: Kostis Kallivretakis

“Zukunftskinder / Futurous Children” by Jalal Maghout
suite42 – UK / France / Germany
 
Lila Risiko Schachmatt III: Hadda, Aufführung im Heimathafen Neukölln, Februar 2013 / Foto: Piero Chiussi