Dabateatr + suite42

Zusammen arbeiten – Travailler ensemble
29. August 2014, Heimathafen Neukölln

Dabateatr und suite42 kennen sich seit zwei Jahren im Rahmen von Lila Risiko Schachmatt. Nach unserer Reise nach Rabat und Sefrou, Marokko, inklusive der Gastspiele »Hassan Leklichée« und »Hadda« im März 2014, heißen wir die Kollegen nun in Berlin willkommen für eine weitere Phase der praktischen Zusammenarbeit.
Diese kulminiert am 29. August in einer gemeinsamen Workshop-Präsentation und einem Gastspiel – »Hadda«: der gleiche Text, aber inszeniert vom Autor selbst, Jaouad Essounani.

Dabateatr and suite42 have known each other for a good two years within the frame of Lila Risiko Schachmatt. Following our journey to Rabat and Sefrou in Morocco in march 2014, including the tour of “Hassan Leklichée” and “Hadda”, we now welcome the Moroccan colleagues in Berlin for another phase of practical collaboration.
Their visit culminates in a workshop-presentation and the performance “Hadda” – the same text, directed by the author Jaouad Essounani.

Alle Präsentationen auf Marokkanisch und Deutsch (und eventuell Französisch).


Fr, 29.08. 17:00 h Dabateatr + suite42
Workshop-Präsentation der marokkanisch-deutschen Zusammenarbeit

mit anschließendem Gespräch mit allen Beteiligten
Heimathafen Neukölln Studio
(gemeinsamer Transfer zum Heimathafen Neukölln möglich)
20:00 h Hadda – geschrieben und inszeniert von Jaouad Essounani
arabisch mit deutschen Übertiteln
mit Publikumsdiskussion in Anwesenheit des Autors
Heimathafen Neukölln, Saal

Hadda – geschrieben und inszeniert von Jaouad Essounani

Ein Gastspiel des Dabateatr aus Rabat
Freitag, 29. August 2014, 20:00 Uhr

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Die Produktion »Hadda« von Dabateatr, kombiniert Theater mit Livemusik, animierten Zeichnungen und interaktivem Videodesign.

Eine Frau – ein Leben? Oder vielmehr viele Leben – viele Wege – viele Stimmen? Vergewaltigte, Gefolterte aber auch Geliebte, erzählt Hadda aus ihrem Leben in einem von Umwälzungen gebeutelten Land – Marokko – das aufgerieben wird von den Widersprüchen und Verschmelzungen des Profanen und Heiligem. Sie redet mit Gott so wie sie mit uns redet, denkt laut, was sie sich sonst ganz leise sagt. Hadda: Prostituierte, Geliebte eines militanten Marxisten, dann Ehefrau eines ehemals radikalen Imams – mit den sehr persönlichen Gedanken einer Analphabetin von ganz unten hinterfragt Hadda die politischen, historischen und religiösen Gegebenheiten in Marokko mit naiver und poetischer Gestik.


Team:
Autor, Regisseur : Jaouad Essounani / Regieassistenz: Imane Reghay / Spiel: Meryem Zaïmi / Choreographie: Salima Moumni / Animationen im Video: Bilal El Jouhari / Mediendesign: Yacine Sebti / Musik von Simon Daubelcour (Schlagzeug), Singhkeo Panya (Komposition) und Sophie Margat (Violoncello)


Dabateatr, gegründet 2003 von Jaouad Essounani, produziert als eigenständige Theaterstruktur Sprechtheater, Zirkusstücke und künstlerische Austausch-programme. Außerdem arbeitet die Kompanie in Schulen und anderen sozialen Zusammenhängen und öffnet die Bühne monatlich für Kollegen und die Bürger aus Rabat in den Reihen »Daba Citoyen« und »Art Qaida«. Sein Stück »Hadda« lief bereits als deutsche Version in der Inszenierung von Lydia Ziemke in der Reihe Lila Risiko Schachmatt am Heimathafen Neukölln.


Der Austausch: Dabateatr + suite42

Jaouad Essounani und Lydia Ziemke sprechen seit 2011 intensiv miteinander. Nach zwei Inszenierungen von Jaouads Texten und gegenseitigen Einladungen können nun auch die beiden Kompanien in intensiven Austausch treten und die gegenseitige Theaterlandschaft kennenlernen. In der gemeinsamen Arbeit behandeln beide Kompanien den politischen Handlungsspielraum des Einzelnen in religiösen und nicht-religiösen Gesellschaften, außerdem die Frage nach der Sichtbarkeit des ICH, also der wirklichen Persönlichkeit des Schauspielers als Teil des Spiels, sowie das Verwenden von traditionellen Lebenselementen der alteingesessenen Berber in Marokko auf der Bühne.

Jaouad folgte mehreren Einladungen nach Berlin zu gemeinsamen Proben, den Premieren und Festivals in der Reihe Lila Risiko Schachmatt von suite42. Hauptsächlich wurden in dieser Reihe zwei von Jaouads Stücktexten übersetzt, bearbeitet und auf die Bühne gebracht – »Hassan Leklichée« und »Hadda«, Cousin und Cousine, die, sinnbildlich für Marokko, viel Gewalt verschiedenster Art erleben. »Schreibt mit mir« hatte Jaouad gesagt – und so wurde in Berlin sehr frei mit den episodenartigen, fragmentarischen Texten gearbeitet. Lydia absolvierte die einmonatige Residenz Labodaba, ausgerichtet von Dabateatr und dem Goethe Institut Rabat, die in der Workshop Performance Destinée et décisions aujourd’hui kulminierte. Im Workshop wurde der Einfluß der europäischen Geschichte auf die Dramaturgie erforscht, sowie die politischen Handlungsspielräume im Theater, die sich daraus ergaben. In geschriebenen und gefunden Texten und Bewegungssequenzen wurden dann die Fragen nach Schicksal und der politischen Handlungskraft des Einzelnen außerhalb des Theaters in religiösen und säkularen Gesellschaften respektive sehr spielerisch verhandelt.

Die Flüchtlingsströme nach Europa, der Sex- und Exotiktourismus nach Marokko, die global‐ marktwirtschaftlichen Verstrickungen, die europäische Sicht auf den Islam, die Instrumentalisierung desselben durch die marokkanischen Machthaber, die oberflächliche Kenntnis der jeweils anderen Kultur und daraus resultierende Klischees – sind die Themen, über die Lydia und Jaouad viel gesprochen haben. Außerdem über die Ermächtigung des Einzelnen zum politischen Bewusstsein und Handeln – auch ein erklärtes Ziel des Heimathafen Neukölln, unserem Partner und Spielort. Den »volksnahen« Charakter des Heimathafens, wo wir mit Lila Risiko Schachmatt zu Hause sind, hat Jaouad von Anfang an sehr gefallen. In Rabat und Berlin haben nun unter Szenenwechsel die anderen Mitglieder beider Kompanien begonnen, intensiv miteinander zu sprechen, und zu spielen. Darüber hinaus erfahren sie viel über die jeweilige Theaterlandschaft und das Theater aus eurozentristischer bzw. nicht-eurozentristischer Sicht. Daraus haben sich schon sehr interessante Unterschiede und Fragen ergeben, wie zum Beispiel nach der Sichtbarkeit des ICH, also der wirklichen Persönlichkeit des Schauspielers auf der Bühne und das Verwenden von traditionellen Lebenselementen der alteingesessenen Berber in Marokko auf der Bühne.

Neben den gemeinsamen Workshops ermöglichen wir durch weitere Förderungen auch Gastspiele von »Hassan Leklichée« und »Hadda« aus Deutschland in Rabat und Sefrou, sowie »Hadda« aus Marokko in Berlin.


Eine Koproduktion von:

Im Rahmen von:

Der Austausch zwischen suite42, dem Heimathafen Neukölln und Dabateatr wurde ermöglicht durch:
Szenenwechsel – ein Förderprogramm des Internationalen Theaterinstitut ITI und der Robert Bosch Stiftung.

suite42 – UK / France / Germany
 
Salon ÜberMorgenLand I, Radialsystem V, Berlin, 22.12.2014 / Foto: Sophia Zoë