Sommer 2020

Flucht nach Thüringen – gestern und heute

Sound Installation für das Kunstfest Weimar 2019

Das Projekt »Flucht nach Thüringen – gestern und heute« widmet sich Menschen, die in den letzten 10 Jahren etwa aus Syrien, Afghanistan, dem Iran nach Thüringen gekommen sind, gleichermaßen wie solchen, die in den 1990ern aus den Balkan-Ländern oder direkt nach dem Fall der Mauer aus der ehemaligen Sowjetunion in den Freistaat kamen. Genauso bezieht das Projekt Menschen ein, die z. B. nach dem zweiten Weltkrieg aus den ehemals deutschen Gebieten in unsere Gegend kamen und blieben.

Die junge Berliner Künstlerin Lydia Ziemke recherchiert in verschiedenen Winkeln von Thüringen, spricht mit Vertriebenen und Geflohenen und Zugewanderten, taucht in Archive ein, um die Geschichten und Erfahrungen von neuankommenden Thüringer*innen damals und heute zu erzählen.

Dabei kommen einige von ihnen selbst zu Wort. In mehreren Workshops haben sie ihre Erfahrung vom Wechsel des Lebensortes auf Kernemotionen konzentriert und kommunizieren diese in einem Text oder Hörerlebnis durch berühmte Kunstwerke gefiltert - darunter Texte von Schiller und Hafiz, Skulpturen wie den Versunkenen Riesen in Weimar, Gemälde wie die Mona Lisa, aber auch Architektur und Heavy Metal Musik. Während die nur erzählte Fluchtgeschichte Fakten liefert und Mitleid erzeugt, soll diese Art der Vermittlung die Menschen mit und ohne die Erfahrung der Aus- bzw. Einwanderung über die ihnen gemeinsame Würdigung der Kunst verbinden.

2019 gibt eine Hörstation Einblick in diese Arbeit, die 2020 in einer komplexeren Audio-Installation aufgehen wird.

Auszüge:

„Diese Skulptur (hier am Frauenplan) das bin ich. Ich bin versunken.
Sein und mein Herz sind nicht versunken.
Aber die anderen Teile des Menschen, die verloren gegangen sind, die begraben wurden, die versunken sind, kann man die retten?“

Roghaye Wiseh

„Aber was passiert, wenn ihr zarter Porzellan-Körper es nicht mehr schafft, den Druck und den Schmerz auszuhalten? Kann das Metall sie ewig zusammenhalten?
Wenn nicht, dann versinkt sie in Schmerz. Das ist der Kampf. Nicht versinken.“

Sanaz Garshasebi (über ein Selbstportrait von Frida Kahlo)

„Ich bin die Mona Lisa. Angekommen hat es mich zerrissen, zerschnitten, zerknittert, zerknüllt. Aber dann habe ich verstanden. Ich bin hier und das ist gut. Ich werde ich, Und nun kann ich Euch zulächeln. Ihr seht mich, ich interessiere Euch. Und Ihr interessiert mich auch.“
Hossein Bahramian

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Recherche + Konzept + Regie: Lydia Ziemke (suite42) / Von und mit: Hossein Bahramian, Sanaz Garshasebi, Baldur Haase, Tahera Hashemi, Idris Izzeddin, Leila Khorshandi, Shiva Makari, Amirreza Makari, Yashar Naghi, Nezhad Nobakht, Majid Pashankpour, Rabia Omrani, Bernhard Post, Roghaye Wiseh, und indirekt ein 1945 Vertriebener aus Schönlinde in Nordböhmen, heute Krásná Lípa, Tschechien.

Großer Dank an Alfred Bax,Uta Bretschneider, Frank Boblenz, das Mehrgenerationenhaus Weimar West, NAHT-Stelle, Caritasverband für das Bistum Erfurt e.V. - Region Mittelthüringen, Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar GmbH, Fabian Kühnlein, Bauhaus-Universität Weimar, Klassik Stiftung Weimar.

Ausstattung: Afra Nobahar / Musik: Öz Kaveller / Übersetzung: Leila Khorsandi / Tonaufnahmen + Postproduktion: Nils Lauterbach / Produktionsleitung: Chris Lehnemann / Produktion: Kunstfest Weimar / Förderung: Thüringer Staatskanzlei

Zur Audiodatei mit Bildern

suite42 – UK / France / Germany
 
»About Francois« von suite42 Berlin und El Hakawati Theatre Jerusalem, Januar 2019